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Willkommen bei der DGG

 

Das Wort des Vorsitzenden


„Weshalb muss ich nach dem Zusammenschluss der beiden Vereine DGG und GV noch 2 Rechnungen bezahlen?“ Mit der Versendung von zwei separaten Beitragsrechnungen für 2015 haben wir viel Unverständnis und einige Kritik seitens der Doppelmitglieder geerntet, obwohl dies bereits in Heft Nr. 59 (GMIT Seite 36) angekündigt war. Dies geschieht natürlich nicht aus Nachlässigkeit oder Unvermögen, sondern schlicht aus verwaltungsorganisatorischen Notwendigkeiten in dieser Übergangsphase. Noch sind wir dabei, die Mitgliederverwaltung und die finanztechnische Abwicklung auf eine gemeinsame neue Softwareversion umzustellen. Es war nicht möglich, bis zur Beitrags-Rechnungstellung zu einer Gesamtrechnung für die Doppelmitglieder DGG+GV zu kommen. Zudem wird erst durch die DGGV-Mitgliederversammlung im Oktober 2015 eine neue Beitragsstruktur verabschiedet werden, die ab Januar 2016 gültig ist. Ab 2016 gibt es dann nur noch eine Beitragsrechnung mit einem Beitrag, der niedriger als die Summe der bisherigen beiden Beiträge sein wird. Wir bitten um Verständnis für diese ausschließlich im Jahr 2015 notwendige Vorgehensweise und entschuldigen uns vielmals für die Unklarheiten. 
 
Sollten Sie auch Mitglied der DMG sein, wird Ihre Doppelmitgliedschaft von ehemals GV mit der DMG automatisch in eine DGGV/DMG-Doppelmitgliedschaft übergehen. Die Wahl zum Vorstand und Beirat des DGGV wird am 2. Oktober 2015 als Briefwahl bzw. online-Wahl stattfinden. Bitte beachten Sie den unten folgenden Wahlaufruf und beteiligen Sie sich an dieser wichtigen Wahl.
 
Vom 4. bis 7. Oktober wird in Berlin die Alfred Wegener gewidmete, gemeinsame Jahrestagung von DGGV und DMG (GeoBerlin 2015, www.geoberlin2015.de) stattfinden. Auf dieser Jahrestagung halten wir auch die erste Mitgliederversammlung der neuen Gesellschaft DGGV ab. Die Einladung mit Details samt Tagesordnung finden Sie auf den folgenden Seiten. Neben diversen Berichten, der Darstellung der neuen Beitragsstruktur ab 2016 werden Sie vor allem die Ergebnisse der Wahlen für Vorstand und Beirat der DGGV interessieren und ich darf Sie schon jetzt um rege Teilnahme an der Mitgliederversammlung bitten.

Reinhard Gaupp
Vorsitzender der DGGV


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Bereits seit den Entscheidungen der Mitglieder von DGG und GV auf den Jahresversammlungen 2014 in Frankfurt für eine Verschmelzung zur DGGV werden die Geschäfte für beide Vereine von einer gemeinsamen Geschäftsführung unter Beteiligung der Vorsitzenden und der Schatzmeister der beiden an der Verschmelzung beteiligten Vereine geleitet. Der Geschäftsführung gehören derzeit an: Reinhard Gaupp, Vorsitzender DGGV; Gernold Zulauf, Ralf Littke, Gerd Röhling und Gerhard Greiner. Laut Verschmelzungsvertrag ist der Stichtag für den offiziellen Start der DGGV am 1. Januar 2015 gewesen, allerding wird die Verschmelzung zum neuen Verein DGGV erst mit der Eintragung in das Vereinsregister rechtswirksam. Die Interimsgeschäftsführung und die weiteren Vorstands- und Beiratsmitglieder von DGG und GV bleiben bis zur ersten Wahl des gemeinsamen Vereins, also bis zur DGGV-Jahresversammlung im Oktober in Berlin im Amt. Bis dahin versuchen die genannten Beteiligten entsprechend dem Fusionsvertrag schnellstmöglich alle notwendigen behördlichen und gerichtlichen Auflagen zu erfüllen, um die Verschmelzung rechtlich wirksam werden lassen zu können. Dazu kommen viele formale und organisatorische Veränderungen, die vorgenommen werden müssen, um beide vormaligen Vereine wirklich verschmelzen zu können. Kurz: es gibt genügend zu tun für Vorstand/ Geschäftsführung und Beirat. Seit der Jahresversammlung 2014 in Frankfurt sind drei Arbeitsgruppen eingesetzt worden, die sich mit den bevorstehenden Wahlen, den Ehrungen und den Zeitschriften sowie den künftigen Mitgliedsbeiträgen beschäftigen. Nachdem erste Treffen dieser Arbeitsgruppen bereits während der GeoFrankfurt stattfanden, konnten deren Ergebnisse vom Vorstand auf dessen erster Sitzung in Hannover am 14.1.2015 diskutiert und ergänzt werden. Über die Wahllisten, die Vorschläge zu künftigen Ehrungen und Preisen sowie die mögliche künftige Beitragsstruktur wird auf der Ende März 2015 stattfindenden Vorstands- und Beiratssitzung der DGGV in Frankfurt abgestimmt. Die Entscheidungen über Teile dieser Neuerungen werden auf der Jahresversammlung 2015 (GeoBerlin2015) gefällt.
 
Nur um die letzten Unsicherheiten zu beheben, hier nochmals folgende Hinweise:
– Für die Mitglieder der DGG bleibt es 2015 beim bisherigen Beitrag, gekoppelt mit dem Bezug der bisherigen DGG-Zeitschriften.
– Für die Mitglieder der GV bleibt es 2015 beim bisherigen Beitrag, gekoppelt mit dem Bezug der bisherigen GV-Zeitschriften.
– Doppelmitglieder, die bisher bereits beiden Gesellschaften angehörten, erhalten 2015 letztmalig zwei Rechnungen für die DGG- und GV-Beiträge getrennt.
– Eine neue einheitliche Beitragsstruktur wird auf der Mitgliederversammlung 2015 verabschiedet und gilt ab 2016.
– Die Zeitschriften von GV und DGG sollen innerhalb des DGGV fortgeführt werden.
 
Die Beiträge 2015 für persönliche Mitglieder enthalten den Online-Zugang zu den Zeitschriften ZDGG (bei bisheriger DGG-Mitgliedschaft) und IJES (bei bisheriger GV-Mitgliedschaft). Die Printausgabe der Zeitschriften kann jeweils gegen Zahlung eines Zusatzbeitrags in Höhe von 22 Euro bestellt werden. Falls Sie als persönliches Mitglied an der Printausgabe interessiert sind, wenden Sie sich bitte – sofern bislang noch nicht geschehen – an die Geschäftsstellen Hannover (für ZDGG) und Mendig (für IJES).
 
Ich bitte um Nachsicht, dass wir auch in den kommenden Wochen noch mit zwei getrennten Homepages leben müssen. Wir tun alles, um die Ausgestaltung der zunächst vorläufigen gemeinsamen Homepage und deren neues Hosting voranzubringen.
Ein neues Logo und eine korporative Identität, nicht zuletzt das künftige gemeinsame Layout der Journal-Titelseiten etc. werden durch ein Grafikbüro entwickelt. Hier sollen erste Entwürfe auf der Sitzung von Vorstand und Beirat unserer neuen Gesellschaft im März diskutiert werden.
 
Es ist eine unserer wichtigen aktuellen Aufgaben, die Einrichtung des Dachverbandes der Festen Erde DVGeo weiter voranzutreiben (siehe Folgetext in dieser GMIT-Ausgabe). Neben der DGGV beteiligen sich die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG), die Deutsche Mineralogische Gesellschaft (DMG) und die Paläontologische Gesellschaft (PalGes). Nach den positiven Voten der jeweiligen Mitgliederversammlungen der Fachvereine steht der Gründung des Dachverbandes nun nichts mehr im Wege. Die notwendigen Schritte hierfür werden im Februar durch die Vorsitzenden der beteiligten Vereine vorbereitet.
 
Nachdem nun die DGGV gegründet ist, muss in diesem „Übergangsjahr 2015“ viel Organisatorisches, Rechtliches und Formales geklärt werden. Deshalb treten die eigentlichen, die inhaltlichen Ziele der DGGV, fixiert in der Satzung, noch etwas zurück. Diese inhaltlichen oder fachlichen Ziele werden zeitnah die Kernaufgaben des Vorstands und Beirats der DGGV bestimmen, besonders nach den Wahlen in Berlin im Oktober 2015. Lediglich die drängend aktuell anstehenden Aufgaben, wie z.B. die Frage der künftigen Hochschulfinanzierung durch Bund und Länder nach der Grundgesetzänderung müssen im Rahmen des fachlichen Forums der naturwissenschaftlichen Fächer (siehe unten) derzeit aufgegriffen werden, (z.B: www.g-v.de/content/view/1229/40/). Derartige Funktionen wird künftig der Dachverband der Festen Erde übernehmen.
Seit der GeoFrankfurt2014 erreichten uns zahlreiche Anregungen und Kommentare, die wir soweit möglich zu berücksichtigen versuchen oder zur „Wiedervorlage zu angemessenerem Zeitpunkt“ halten. Bitte beteiligen Sie sich in dieser Umbruchphase weiterhin ideenreich und mitgestaltend und melden sich bei der DGGV-Geschäftsstelle Mendig ( geol.ver@t-online.de) mit
Ihren Vorschlägen.
 
Für das Vertrauen, das mir vonseiten der Vorstände von GV und DGG entgegengebracht wurde, um mich zum Interims-Vorstand für die kritische Übergangszeit bis Oktober 2015 zu machen, möchte ich mich herzlich bedanken. Einen ganz besonderen Dank spreche ich all jenen aus, die über viele Jahre aktiv mitgewirkt haben, um für die Fusion der beiden Gesellschaften den Weg zu bereiten. Hier war es ein historischer Glücksfall, dass die Vorsitzenden und die Vorstände von DGG und GV in den letzten Amtsperioden so konstruktiv einen weiteren Schritt gegen die organisatorische Zersplitterung der deutschen Geowissenschaften möglich machen konnten.
Reinhard Gaupp, Jena

 

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Liebe Mitglieder der DGG,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

als neu gewählter Vorsitzender möchte ich zunächst den Mitgliedern der DGG für ihr Vertrauen danken, das Sie mir und dem neuen Vorstand entgegenbringen.Weiterhin danke ich meinem Vorgänger Stefan Wohnlich für seinen unentwegten Einsatz und sein großes Engagement für unsere Gesellschaft. Er hat als Vorsitzender zusammen mit dem Vorstand der Geologischen Vereinigung eine längst überfällige Debatte über die Organisation der Geowissenschaftlichen Gesellschaften der Festen Erde losgetreten, die inzwischen bereits Früchte trägt. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche Fusion von GV und DGG, sondern auch um die Gründung eines neuen Dachverbandes der Geowissenschaftlichen Gesellschaften der Festen Erde.
Sie als Leser von GMit konnten diese Diskussion in den vergangenen Monaten verfolgen und ihre Meinung zu diesem Thema kundtun. Beim Studium der Leserbriefe fällt auf, dass sich vor allem die älteren, meist schon pensionierten oder emeritierten Kollegen/Kolleginnen mit einer Umgestaltung der Vereinslandschaft schwer tun. Dies mag daran liegen, dass die Älteren in die heute existierende Vereinslandschaft hineingewachsen sind. Die Jüngeren hingegen – vor allem die Studierenden der Geowissenschaften – sind diesbezüglich eher unbefangen und fragen nach den Gründen für die Zerstückelung der heutigen deutschen Geowissenschaften. Auch im Ausland werde ich häufig angesprochen, warum die deutschen Geologen ein duales Vereinssystem pflegen. Nur wenige können dies verstehen und nachvollziehen, da auch sie die Historie meist nicht kennen.
Für mich gleicht dieses duale System einem Januskopf, der den Zwiespalt im geologischen Denken und Handels des 20sten Jahrhunderts widerspiegelt: Auf der einen Seite die alteingesessene, eher national ausgerichtete DGG mit den Schwerpunkten Regionale und Angewandte Geologie sowie Einbeziehung der geologischen Landesdienste, der Industrie und der Geo-Büros. Auf der anderen Seite die eher grundlagenforschungsorientierte GV mit internationalem Anspruch und enger Anlehnung an die Hochschulen und Forschungsinstitute.
Obwohl diese unterschiedliche Ausrichtung nach wie vor vorhanden ist, ist sie in den vergangenen Jahren eher in den Hintergrund getreten. Zudem hat sich die Bedeutung der Geo-Gesellschaften generell gewandelt. Noch während meines Studiums traten die Studierenden in die Gesellschaften ein, um zur Geo-Community zu gehören. Durch den Bezug der Zeitschriften und die Teilnahme an den Jahrestagungen hielt man sich auf dem neuesten Stand der Forschung. Mit der drastischen Veränderung der Medienlandschaft und der Etablierung von weiteren Institutionen auf europäischer und internationaler Ebene hat sich der Wissenstransfer jedoch komplett gewandelt. Die Geo-Gesellschaften in Deutschland haben hierdurch an Bedeutung verloren.
Vor diesem Hintergrund ist dringender Handlungsbedarf angesagt. Die Gespräche zwischen GV und DGG über eine mögliche Fusion sind – mit Rückendeckung der Mitgliederversammlungen – inzwischen in Gang gekommen. Ich selbst bin Mitglied in DGG, GV und DMG und hätte mir eine Fusion aller drei Gesellschaften gut vorstellen können. Während der beiden Treffen der Vorsitzenden von DGG (Geophysik), DGG (Geowiss.), DMG, GV und PalGes im Oktober 2011 und Januar 2012 ist jedoch deutlich geworden, dass eine Fusion sämtlicher Gesellschaften wohl kaum in Frage kommt, da die kritischen Stimmen der Nicht-Geowissenschaftler in DGG (Geophysik), DMG und PalGes doch beträchtlich sind (s. auch kritische Leserbriefe in GMit) und zudem ein Identitätsverlust der jeweiligen Disziplinen befürchtet wird.
Um dennoch einen Zusammenschluss der o.g. Gesellschaften herbeizuführen, haben sich die Vorstände für die Gründung eines neuen Dachverbandes der Geowissenschaftlichen Gesellschaften der Festen Erde ausgesprochen. Dieser Dachverband soll auf vier Grundsäulen, den Fachgruppen Geologie, Geophysik, Mineralogie und Paläotologie basieren, die von den o.g. Gesellschaften getragen werden. Der Dachverband soll eine professionelle Geschäftsstelle beinhalten und auf politischer und gesellschaftlicher Ebene das „Sprachrohr“ der Geowissenschaften der Festen Erde darstellen. Es sei betont, dass hier kein „Konkurrenzunternehmen“ zur GeoUnion aufgebaut werden soll, da letztere eine deutlich breitere Klientel an Wissenschaftlern bedient, deren Interessen von denen der o.g. Gesellschaften zum Teil stark abweichen.
Schon im Mai findet die nächste Sitzung der Vorsitzenden der Gesellschaften der Festen Erde statt. Wir alle hoffen, dass während dieser Sitzung eine Satzung für den neuen Dachverband beschlossen werden kann. Auch der Name ist noch offen. Wir werden Sie über die laufenden Verhandlungen weiter auf dem Laufenden halten.
Schließlich möchte ich mit diesem Schreiben auch über den Stand der Planungen für unsere nächste Jahrestagung GeoHannover 2012 berichten. Die 164. Jahrestagung findet unter dem Motto „GeoRohstoffe für das 21. Jahrhundert“ vom 1.-3. Oktober 2012 im Hauptgebäude der Leibniz Universität in Hannover statt. In den vergangenen Jahren erfuhr die Bedeutung der Rohstoffe eine Wiederbelebung, bedingt durch teils starke Preisanstiege, Diskussionen über Reichweiten, Abhängigkeiten von Lieferländern und Chancen der Rohstoffgewinnung für den Arbeitsmarkt. Die Geowissenschaften leisten dabei einen enormen Beitrag, unsere Erkenntnisse zu erweitern und offene Fragen zu klären. Wir laden Sie ein, Antworten zu suchen, Lösungen vorzustellen und nicht zuletzt den aktuellen Stand der Wissenschaft kennen zu lernen. Zudem wird die Tagung von einem interessanten Exkursionsprogramm begleitet. Weitere Informationen finden Sie unter www.geohannover-2012.de.
Ich hoffe sehr, dass sich viele von Ihnen durch das attraktive Tagungsprogramm angesprochen fühlen, um im Oktober an der GeoHannover 2012 teilzunehmen.

Mit herzlichem Glückauf
Ihr
Gernolf Zulauf, Vorsitzender


Editorial abgedruckt in GMit 47, März 2012

 

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Die DGG-Mitgliederversammlung 2011 fand am Dienstag, den 6. September 2011 während der GeoMünchen2011 statt.
Ort: Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München, Geschwister-Scholl-Platz 1, Hörsaal M 105
Beginn: 13.00 Uhr

Protokoll      |     Einladung zur Mitgliederversammlung

 

GMit 4/2011 - Dezember 2011

Wort des Vorsitzenden der DGG

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle über die sich anlässlich unserer Jahrestagung
GeoDarmstadt 2010 erstmals abzeichnenden Entwicklungen zur Neuordnung der Geowissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland berichtet. Damals hatte ich drei Thesen aufgestellt, die die Wahrnehmung der Geowissenschaften in der Öffentlichkeit zum Inhalt hatten. Quintessenz war, dass „eine gemeinsame Struktur nicht nur aus Gründen der Außenwirksamkeit geboten, sondern auch die Nutzung der begrenzten Ressourcen für gemeinsame Aufgaben wirtschaftlich sinnvoll erscheint, wenn nicht unvermeidlich ist“. Diesem Ziel sind wir in dem vergangenen Jahr ein großes Stück näher gekommen. In mehreren unterschiedlich besetzten Sitzungen auf Vorstandsebene haben sich insbesondere DGG und GV angenähert und in ihren Mitgliederversammlungen (siehe Protokoll in dieser Ausgabe) wurde jeweils ein positives Votum zu diesen Bemühungen ausgesprochen. Aber auch andere geowissenschaftliche Gesellschaften zeigen großes Interesse an einer engeren Zusammenarbeit, die bis hin zur möglichen Gründung einer neuen Gesellschaft gehen. Deren Funktion und Ausstattung wird im Laufe des nächsten Jahres zu verhandeln sein. Wie stark sie wird, hängt davon ab, wie weitgehend sich die Einzelgesellschaften auf die gemeinsamen Ziele einigen können. Die Diversität der Geowissenschaften und die in vielen Gesellschaften vorhandenen Übergänge zu Nachbardisziplinen (Chemie, Physik, etc.)scheinen auf den ersten Blick erschwerend für eine gemeinsame Zielrichtung zu sein. Ich meine aber, dass das Verbindende immer noch der Forschungsgegenstand der „festen Erde“ ist. Niemand möchte die Vielfalt der Fachrichtungen in den Geowissenschaften einschränken, vielmehr würde eine neue Struktur Fächergrenzen überwinden und eine fachungebundene Zusammenarbeit unterhalb der traditionellen Gesellschaftsebene ermöglichen, wie dies in unserer Gesellschaft z.B. die Fachsektionen bereits tun. Zu wünschen wäre zumindest eine starke gemeinsame Geschäftsstelle, deren Aufgabe neben der Wahrnehmung der innergesellschaftlichen Verwaltung auch die Koordinierung der vielen geowissenschaftlichen Einzelaktivitäten sowie Außendarstellung der Geowissenschaften sein sollte. Je mehr Gesellschaften sich an diesem Projekt beteiligen, desto größer wird die Außenwahrnehmung.

Zum Jahresende endet auch meine Amtsperiode als Vorsitzender und der von Ihnen gewählte neue Vorsitzende, Prof. Dr. Gernold Zulauf aus Frankfurt hat bereits die Amtsgeschäfte übernommen. Ich möchte mich sehr herzlich bei  unseren Mitgliedern für Ihre Unterstützung bedanken. Besonders bedanke ich mich bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Fachsektionen, den Arbeitsgruppen, allen Vorstands- und Beiratsmitgliedern sowie der Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle.
 
Allen Mitgliedern und Freunden der DGG wünsche ich im Namen des neuen und des alten Vorstandes ein beschauliches und friedliches Weihnachtsfest und uns allen ein erfolgreiches neues Jahr.

Prof. Dr. Stefan Wohnlich
(Vorsitzender der DGG)

 

Gemeinsames Editorial DGG+GV in GMit 44, Juni 2011
Liebe Mitglieder,

als derzeitige Vorstände unserer Gesellschaften möchten wir Sie mit diesem Brief bitten, an einer Diskussion zur Zukunft unserer Gesellschaften aktiv teilzunehmen.
Zur Diskussion steht eine verstärkte Zusammenarbeit und eventuell auch ein möglicher Zusammenschluss einiger Fachgesellschaften der festen Erde. Die folgenden Entwicklungen in der deutschen Geo-Landschaft haben uns bewogen, diese Diskussion jetzt ernsthaft aufzunehmen:
Wir nehmen wahr, dass sich die Grenzen zwischen den einzelnen Disziplinen der Geowissenschaften zunehmend auflösen. In vielen Forschungsaktivitäten und in der Lehre arbeiten die Subdisziplinen der Geowissenschaften längst eng zusammen. An fast allen deutschen Universitäten wurden die getrennten Studiengänge für Geologie/Paläontologie und für Mineralogie (einschließlich der Kristallographie und, sofern vorhanden, auch der Materialwissenschaften) zu einem Studiengang Geowissenschaften vereint. Auch die Geophysik ist inzwischen näher an die übrigen Geowissenschaften herangerückt.
Bei den großen, gesellschaftlich relevanten Zukunftsherausforderungen an die Geowissenschaften sind gemeinsame Strategien notwendig. Doch fehlt in Deutschland eine nach innen und außen sichtbare gemeinsame wissenschaftliche Fachvertretung. Wir leisten uns an deren Stelle den Betrieb eines knappen Dutzend kleiner und mittlerer spezialisierter Fachgesellschaften, deren Aufgabengebiete sich teilweise überschneiden.
Die Verantwortung, große Forschungsaktivitäten anzustoßen, oblag in der Vergangenheit der DFG-Senatskommission für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung („Geokommission“). Deren Mandat ist jetzt für 6 Jahre unter dem Titel „DFG – Senatskommission für Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften“ verlängert worden. Aufgaben einer Fachgesellschaft werden von dieser neuen „Geokommission“ nicht wahrgenommen, und deshalb sollten sich die Fachverbände die Frage stellen, ob sie diese Aufgabe nicht übernehmen müssen, so wie dies etwa auch die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Gesellschaft Deutscher Chemiker tun.
Mit der flächendeckenden Einführung geowissenschaftlicher Studienränge verfließen auch in der Studierendenausbildung die strengen Fachgrenzen. In welche Gesellschaft sollen unsere Studierenden nun aber eintreten? Dass der Wunsch nach disziplinübergreifenden Fachgesellschaften besteht, zeigt der große Erfolg der GV-DMG-Doppelmitgliedschaft. Seit ihrer Einführung steigen die Mitgliederzahlen von GV und DMG erstmals wieder an – bedingt durch den Eintritt vieler junger Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler.
Die Sichtbarkeit der Geologischen Dienste in Deutschland hat in den letzten Jahren bedingt durch z.T. sicher fragwürdige Verwaltungsreformen deutlich abgenommen. Die große Bedeutung der geowissenschaftlichen Aufgaben in der Gesellschaft wird auch hierdurch geschwächt.
Die Bedeutung der Rohstoffindustrie ist in den letzten Jahren wieder gestiegen. Für Geowissenschaftler ergibt sich hier ein breites Aufgabenfeld, das in der Öffentlichkeit kompetent vertreten werden muss.

Wir meinen, dass eine zeitgemäße Maßnahme, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, folgendermaßen aussehen könnte:
Die beteiligten Gesellschaften beginnen den Prozess eines Zusammenschlusses. Vorstände und Beiräte der DGG und GV haben dieses Vorhaben auf ihren Frühjahrssitzungen nach ausführlicher Diskussion jeweils einstimmig unterstützt. Dieser Zusammenschluss könnte von der Maßnahme eines „Dachverbandes“ bis zu einem vollen Zusammenschluss reichen. Weitere Gesellschaften der festen Erde können zu diesem Prozess jederzeit hinzustoßen. Namentlich die Vorstände der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und der Paläontologischen Gesellschaft wurden über unsere Initiative vorab informiert. Ziel wäre ein Wissenschaftsverband zur Förderung und Integration der Forschung in den Geowissenschaften, insbesondere durch gemeinsame Strategiediskussionen, den wissenschaftlichen Austausch auf Tagungen und in Publikationen, die Nachwuchsförderung, die Herstellung öffentlicher Sichtbarkeit, die Unterstützung großer Fördermaßnahmen sowie die Diskussion der universitären Ausbildung.
Die bisherigen Gesellschaften bleiben mit all ihren Aktivitäten und ggf. auch ihrem Namen als teilnehmende Fachgesellschaften in dieser Vereinigung erhalten. Die Identität dieser Untergliederungen ist weiterhin von großer Bedeutung, um den Subdisziplinen ein Zuhause für ihre Inhalte, ihren Stil und auch ihre Traditionen zu geben. Beispiele von Gesellschaften, die diesen Ansatz erfolgreich umsetzen, sind die AGU, die EGU, die Deutsche Geographische Gesellschaft oder die Geological Society of London.
Dieser Zusammenschluss ist nicht als Sparmaßnahme misszuverstehen – die durch die existierenden Gesellschaften eingestellten und ehrenamtlich tätigen Personen werden auch in der neuen Vereinigung tätig werden, um den Aufgaben der neuen Gesellschaft und denen der Fachgesellschaften gerecht werden zu können.
Für die wissenschaftlichen Tagungen ist vorstellbar, diese alternierend abzuhalten: Alle zwei Jahre tagt die neue Vereinigung gemeinsam; in den Zwischenjahren treten die bisherigen Gesellschaften individuell zusammen.
Die weitere innere Gestaltung dieser neuen Vereinigung wird sich nach einigen Jahren durch den Erfolg des Projektes und durch die Überwindung eventueller Schwächen weiter entwickeln. Natürlich birgt ein solcher Prozess auch Risiken in sich. Könnte die Identität der einzelnen Fächer, und auch gerade der darin enthaltenen kleineren Spezialdisziplinen, verloren gehen? Diesem Identitäts- und Vielfaltsverlust könnte durch Statuten entgegengewirkt werden, die gewährleisten, dass diese Fächer oder Fachgebiete durch Sektionen, Namen und Vorstandsmitglieder in allen Gremien vertreten sind. Würde der „Stallgeruch“ der kleinen Gesellschaften fehlen? Dieser könnte durch den Zweijahresrhythmus der Tagungen jedoch erhalten bleiben. Könnte ein Fächerstreit um Einfluss entbrennen? Sind die finanziellen und juristischen Risiken eines Zusammenschlusses vertretbar? Bergen die Zeitschriften der Gesellschaften Potential für Komplikationen? Wir nehmen diese Bedenken sehr ernst, halten die Probleme aber für lösbar.
Die Voraussetzung ist eine lebhafte und offene Diskussion der beteiligten Gesellschaften bzw. ihrer Mitglieder.
Betrachten wir aber die Chancen. So wäre die Sichtbarkeit der Vielfalt der Fächer gerade in der gemeinsamen Struktur höher als durch viele, von außen zur schwer wahrnehmbare Einzelgesellschaften. Die Geowissenshaften erhalten endlich eine politisch und durch hohe Mitgliederzahlen legitimierte Fachvertretung und somit einen größeren Gestaltungsspielraum und Einfluss. Durch diese Legitimation könnten Stellungnahmen zu Lehrinhalten und Schulunterricht noch besser erarbeitet werden. Am Ende des Prozesses könnte eine Geschäftsstelle stehen, die die Kontinuität der Arbeit der Vereinigung, insbesondere auch die der Tagungsorganisation übernimmt, und damit die gegenwärtigen Gesellschaften erheblich entlastet. Schließlich besteht gar keine Frage, dass wir unseren Studierenden und Doktoranden empfehlen, dieser einen Gesellschaft beizutreten und in ihr, falls gewünscht, fachliche Schwerpunkte zu setzen.

Nun bitten wir Sie um Ihre Meinung. In der Herbstausgabe von GMIT möchten wir auf den Seiten unserer Gesellschaften eine Pro- und Contra-Diskussion dieses Projektes führen. Bitte senden Sie Ihre Leserbriefe hierzu bis zum 15.7.2011 an Ihren jeweiligen GMIT-Redakteur (siehe Impressum, S. 18 dieses Heftes). Fernerhin bitten wir Sie, diesen Prozess auf den nächsten Mitgliederversammlungen der beteiligten Gesellschaften mitzudiskutieren. Diese finden statt:
DGG: München, 5.9.2011
GV: München, 5.9.2011
Nur auf die oben skizzierte Weise können wir als Vorstände abschätzen, ob diese Entwicklung einem breiten Willen unserer Mitgliederschaft entspricht.

Für die DGG
Stefan Wohnlich (Vorsitzender)
Gernolf Zulauf, Martin Meschede (stellvertretende Vorsitzende)
Für die GV
Ralf Littke (Vorsitzender)
Hildegard Westphal, Friedhelm von Blanckenburg (stellvertretende Vorsitzende)

 

 

Editorial Gmit 1/2011
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ist es Ihnen auch schon einmal so ergangen, dass Sie einem Nicht-Geowissenschaflter, vielleicht auch einem Politiker, einen geologischen Sachverhalt erklärten? Und hinterher hatten Sie den Eindruck, dass die Erklärung zwar einigermaßen verstanden wurde, Zweifel blieben aber bestehen, weil die zeitliche Einordnung nicht nachvollzogen werden konnte. Wir operieren als Geowissenschaftler tagtäglich mit Millionen und Abermillionen von Jahren. Aber wer kann sich diese Dimensionen schon wirklich vorstellen? Wir brauchen nur in die öffentlichen Diskussionen zu schauen, um zu bemerken, wie wenig wir uns eigentlich der Zeiträume und ihrer wirklichen Dauer bewusst sind. Da wird eifrig vom Klimawandel gesprochen, wo doch eigentlich das Wetter gemeint ist. Im gleichen Atemzug aber werden Vergleiche aus der geologischen Vergangenheit hervorgeholt, die einen völlig anderen Zeitbezug haben. Schon allein die Erwärmung nach der letzten Eiszeit liegt bereits außerhalb des Zeitraumes, der die kulturgeschichtliche Entwicklung der Menschheit umfasst. Zu unserem menschlichen Erfahrungshorizont von maximal etwa 100 Jahren sind da bereits zwei Zehnerpotenzen Unterschied. Wir alle wissen aber, dass die letzte Eiszeit in geologischen Dimensionen gerechnet gerade mal vor einem Augenblick stattfand.

Auch in der Politik wird oft mit Zahlen umgegangen, die keiner mehr nachvollziehen kann. 2009 war u.a. das Jahr der “Abwrackprämie”. Dieses Wort hat es sogar zum “Wort des Jahres” geschafft. Aber wie war das noch mit der Abwrackprämie? 5 Milliarden Euro wurden bereitgestellt. Klingt ziemlich ähnlich wie 5 Millionen, was ja ein kleiner Betrag wäre, nicht wahr? De facto waren es aber 5000 Millionen Euro - und das zeigt schon eine ganz andere Größenordnung auf. Sehr ähnliche Begriffe, aber komplett unterschiedliche Größen. So ist das auch in den Geowissenschaften. Wenn wir uns mit Zeiträumen befassen, kommen wir sehr schnell in unterschiedlich große Zeiträume hinein und man verliert leicht den Überblick. In der Quartärgeologie zählen noch die Tausender, meistens die Zehntausender, manchmal auch die Hunderttausender. In der Zunft der Paläozoiker hingegen geht es immer um Millionen und wenn wir uns die Kolleginnen und Kollegen anschauen, die sich mit den ältesten Gesteinen dieser Erde beschäftigen, dann werden ein paar Zehnermillionen Jahre oder gar hundert Millionen Jahre schnell mal ein bisschen nach oben oder unten verschoben. Die Betrachtung der Zeit ist relativ und hängt sehr davon ab, welche Informationen uns zur Verfügung stehen.

Der Umstand, dass wir uns mit Dingen beschäftigen, die schon so unendlich lange in der Vergangenheit liegen, macht die Geowissenschaft in den Augen der Bevölkerung oft zu einer exotischen und vielfach als nutzlos angesehenen Wissenschaft. Der mit dem Hammer durch´s Gelände streifende, oftmals rauschebärtige Naturbursche, der nichts von Krawatten und Anzügen hält, ist der Stereotyp für einen Geologen. Aber diese Geologen haben etwas zu sagen, insbesondere zu gegenwärtigen Diskussionen um Klimawandel, Ressourcen-Verfügbarkeit und Georisiken. Nur ist das häufig nicht das, was Politiker und Entscheidungsträger hören wollen. Sie möchten möglichst konkrete und wenn es irgendwie geht positive Prognosen für die nächsten Jahre, möglichst noch für die nächste Wahlperiode. Langfristige Entwicklungen - und damit sind wir wieder beim Zeitraum-Problem - werden hingegen nicht richtig wahrgenommen und entsprechend konsequent diskutiert. Warnungen der Geowissenschaftler z.B. bei Bauvorhaben oder im Zusammenhang mit der Endlagerproblematik werden oft nicht ernst genommen, weil die zeitliche Komponente nicht abgeschätzt werden kann. Es existieren eine ganze Reihe von langfristigen Klimamodellen und alle sind sich darüber einig, dass sich unsere Umwelt gewaltig verändern wird.

Nur frage ich mich, warum die vorgelegten Daten nicht zu ernsthaften Konsequenzen führen. Es muss daran liegen, dass sie von den Entscheidungsträgern nicht verstanden werden. Die Zukunft, d.h. die Veränderung unserer Umwelt hat doch längst begonnen, und zwar schon lange vor unserer Zeit! Folglich können wir den Anteil, den die Menschheit zusätzlich einbringt, nur verstehen, wenn wir viel längere Zeiträume übersehen können als nur die paar Jahre Wetteraufzeichnungen. Der diesjährige Winter präsentierte sich uns bisher als kalt und schneereich und sogleich werden Aussagen zur Klimaerwärmung in Frage gestellt oder gar als Unfug bezeichnet. Die globale Statistik zeigt jedoch, dass 2010 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist. Hier stehen die öffentliche Wahrnehmung und die realen Fakten in Widerspruch, weil die zeitliche Zuordnung nicht stimmt. Wir können als Geowissenschaftler daran etwas ändern, wenn wir sichtbarer werden und unser Wissen vom Umgang mit großen Zeiträumen weiter verbreiten. Das ist einer von vielen Gründen, warum wir uns immer wieder bemühen sollten, unsere Themen noch mehr der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Martin Meschede
Stellv. Vorsitzender der DGG

 

 

Gmit 4/2010
Wort des Vorsitzenden der DGG

Wohin geht die Reise der Geowissenschaften?

Die große geowissenschaftliche Tagung GeoDarmstadt 2010 ist gerade vorbei. Die DGG hatte sie als ihre Jahrestagung maßgeblich mitgestaltet. Zusammen mit fast allen geowissenschaftlichen Verbänden wurde das ganze Spektrum der Geowissenschaften auf hohem Niveau geboten. Die Geowissenschaften präsentierten sich so, wie wir uns selber sehen, wissenschaftlich fundiert, vielseitig, zu aktuellen Themen Stellung nehmend, praxisrelevant  – das ist die Wahrnehmung nach innen, aber wer hat es sonst noch mitbekommen? Wie war die Resonanz nach außen?

Obwohl geowissenschaftliche Themen wie Energierohstoffe, Klimawandel, Georisiken, Wasserknappheit etc. seit einigen Jahren deutlich gesteigerte Präsenz in den Medien und der Politik erfahren – die wichtigste und seit Jahren größte Geotagung fand in den Medien nur lokal ein Echo. Woran liegt das?

Lassen sie mich hierzu drei Thesen aufstellen:

1)    Die Geowissenschaften werden als Spartenwissenschaften wahrgenommen, zersplittert in Einzelfächer,
       die wir selbst oft nicht richtig voneinander abgrenzen können.
2)    Die Geowissenschaften haben keine Lobby, kein gemeinsames Sprachrohr und keinen zentralen
       Anlaufpunkt für Fragen aus der Öffentlichkeit.
3)    Geowissenschaften werden als eine beschreibende Wissenschaft wahrgenommen, deren praktische
       Relevanz nicht deutlich wird. Die Lösungen zu den wichtigen Fragestellungen (Klimawandel,
       Katastrophen etc.) bewältigen andere, z.B. Ingenieure.

Versuchen Sie selbst, diese drei Thesen zu widerlegen. Auch ich möchte sie so nicht stehen lassen. Sie werden sicherlich von denjenigen in Frage gestellt, die sich seit Jahren für die Aussendarstellung und die fachübergreifende Darstellung der Geowissenschaften einsetzen. Wir können auf ein sehr erfolgreiches „Jahr der Geowissenschaften“ (2002) und ein schon weniger genutztes „International Year of the Planet Earth“ (2008) zurückblicken, in den es einige bedeutende Gemeinschaftsaktionen der Geowissenschaften gab. Zu den wenigen übergreifend tätigen Gruppen zählt die Geokommission der DFG. Sie wurde über Jahrzehnte von der DFG mit der Begründung unterstützt, dass eine Koordination der geowissenschaftlichen Gemeinschaftsaufgaben notwendig sei. Da es eine solche Kommission  aber nicht für die  anderen Naturwissenschaften gibt, stellt die DFG jetzt die Frage, warum die wissenschaftliche Interessenvertretung und Aussendarstellung des Faches nicht von den wissenschaftlichen und berufsständigen Fachgesellschaften geleistet wird, so wie es bei den anderen Naturwissenschaften der Fall ist. Sollte die Geokommission tatsächlich im nächsten Jahr ihre Arbeit einstellen müssen, dann werden die Geowissenschaften ihre wichtigste Lobbyinstitution verlieren. Auch der GeoUnion – Alfred-Wegener Stiftung ist es in den letzten Jahren schwer fallen, mit geringem Budget eine schlagkräftige und publikumswirksame Interessenvertretung aufzubauen. Auch die einzelnen geowissenschaftlichen Vereine und Gesellschaften können für sich genommen nur wenig mehr als Einzelaktionen starten, zumal sich eine Koordination als schwer erwiesen hat. Dies ist nur durch eine gemeinschaftliche Struktur aller geowissenschaftlichen Gesellschaften zu erreichen. Ich denke, man sollte darüber hinaus auch die geowissenschaftlichen Universitätsinstitute, die Forschungsinstitute, die Geologischen Dienste  und vielleicht sogar die Industrie mit einbinden. Eine gemeinsame Struktur ist nicht nur aus Gründen der Aussenwirksamkeit geboten, sondern auch die Nutzung der begrenzten Ressourcen für gemeinsame Aufgaben erscheint wirtschaftlich sinnvoll, wenn nicht unvermeidlich. Das zu erreichen ist keine Aufgabe für morgen, aber ein gutes Ziel für das 2. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.

Zum Ende des Jahres möchte ich mich wieder bei unseren Mitgliedern für Ihre Unterstützung bedanken. Besonders bedanke ich mich bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Fachsektionen, den Arbeitsgruppen, allen Vorstands- und Beiratsmitgliedern sowie den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle. Dieses Jahr hebe ich besonders die Arbeit in den Redaktionen unserer Zeitschriften um Andreas Hoppe, Klaus Mahlstede, Heinz-Gerd Röhling und Jan-Michael Lange hervor, ohne deren Arbeit die Publikationen der DGG nicht denkbar sind.

Allen Mitgliedern und Freunden der DGG wünsche ich ein beschauliches und friedliches Weihnachtsfest und uns allen ein erfolgreiches neues Jahr.

Prof. Dr. Stefan Wohnlich
(Vorsitzender der DGG)

 

 

Editorial 3/2010:
Geowissenschaften mehr denn je im Blickpunkt der Gesellschaft

Liebe Mitglieder und Freunde der DGG

Die Geowissenschaften erleben gegenwärtig bewegte Zeiten, in denen wir mehr denn je in der Verantwortung stehen, Antworten auf aktuelle Fragen in möglichst kurzer Zeit zu liefern. Neben Klimaentwicklung und Energieversorgung beschäftigt uns die steigende Zahl von Katastrophen, die in diesem Jahr so heftig ausfallen, dass der Eindruck entstehen mag, die Erde gerate aus den Fugen. Der Vulkanausbruch auf Island, die Fluten in Pakistan und anderen Regionen, die Bände in Russland oder die vier Monate lang sprudelnde Macondo-Quelle im Golf von Mexico führen uns vor Augen, wie schnell unser Alltag und usnere Umwelt auf drastische Weise verändert werden können, und wie machtlos wir den Folgen gegenüberstehen.
 
Die Katastrophe im Golf von Mexico ist eine Folge der sich verknappenden Ressourcen an fossilen Energieträgern. Da gegenwärtig immer noch 35 % des globalen Primärenergieverbrauchs durch Erdöl gedeckt werden und Erdöl einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie darstellt, muss die Versorgung in den kommenden Jahren mit ,unkonventionellen‘ Reserven erfolgen. Hierzu gehören nicht nur Ölsand und Ölschiefer, sondern auch die schwer zugänglichen Ölfelder der Arktis und der Tiefsee. Trotz der Katastrophe im Golf von Mexico geht die Suche nach Erdöl unentwegt weiter, wie die gegenwärtige Erkundun vor der lybischen Küste zeigt. Sicher scheint jedoch, dass Erdöl trotz all dieser Bemühungen in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Die Internationale Energieagentur IEA geht davon aus, dass die Vorkommen nach 2030 rapide zur Neige gehen werden.
 
Die umweltverträgliche Energieversorgung bei ständig steigender Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahrzenten eine der großen Herausforderungen für Wissenschaft und Technik darstellen. Zur Betonung der Rolle der Geowissenschaften bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe veranstalteten die DFG-Senatskommission für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (Geokommission) und die GeoUnion im vergangenen April die öffentliche Konferenz „EnergieMix 2050“ in Berlin. Hier ging es nicht nur um die künftige Versorgung mit fossiler Energie, sondern um eine breite Palette von energie- und klimarelevanten Themen, wozu auch die regenerativen Energiequellen, die Sequestrierung von Kohlendioxid und die Endlagerung radioaktiver Abfälle zählen.
 
Das Thema Atomkraft beherrscht die Schlagzeilen der Tagespresse wie einst und je. Es ist so brisant, dass sich die Bundeskanzlerin höchstpersönlich damit beschäftigt, bevor die Bundesregierung Ende September ihr neues Energiekonzept vorstellt. Wie auch immer dieses Konzept ausfallen wird, die politischen Entscheidungsträger stehen auch weiterhin vor dem ungelösten Problem der Endlagerung des radioaktiven Abfalls, und es gibt offensichtlich gute Gründe, am Endlager Gorleben, in das seit 1977 bereits 1,5 Milliarden Euro investiert wurden, festzuhalten. Die durch das Gorleben-Moratorium beeinträchtigten Forschungsarbeiten werden nun umso intensiver betrieben werden müssen, um eine zeitnahe Entscheidung über die Eignung des Salzstockes als Endlager herbeizuführen. Auch diesmal stehen dabei die Geowissenschaftler im Rampenlicht des Geschehens. Aber nicht nur dort ist ihre Expertise gefragt.
 
Ein weiteres energierelevantes Forschungsgebiet, das uns Geowissenschaftler in den kommenden Jahren immer mehr beschäftigen wird, ist die Geothermie. Gegenwärtig ist ihr Anteil an der Gesamtenergieversorgung noch verschwindend klein. Im Jahre 2050 soll ihr Stellenwert jedoch fast so groß sein wie der der Wasserkraftwerke. In den vergangen Jahren sind in Deutschland erhebliche Fortschritte bei der Erschließung von geothermischer Energie erzielt worden. Wir können jedoch davon ausgehen, dass im tieferen Untergrund geothermische Reservoire existieren, die bisher nur wenig verstanden und untersucht sind. Die Erschließung dieser Reservoire ist unabdingbar, wenn die hochgesteckten Ziele erreicht werden sollen.
 
Die Brisanz der oben genannten Themen wird nochmals betont auf der im Oktober stattfindenden GeoDarmstadt 2010, der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG) und der Geologischen Vereinigung (GV). Die Tagung steht unter dem Motto ‚Geowissenschaften sichern Zukunft‘. Auch hier geht es vornehmlich um aktuelle Themen wie Klimaentwicklung, Energieversorgung, Ressourcen und Naturkatastrophen. In Darmstadt werden nicht nur DGG und GV, sondern nahezu sämtliche in Deutschland etablierte Geo-Gesellschaften und Institutionen vertreten sein. Dies ist erfreulich. Andererseits zeigt es aber, wie zerstückelt die Geowissenschaften in Deutschland sind. Diese Zerstückelung macht es schwer, effiziente Problemlösungsstrategien zu erarbeiten, um damit in der Öffentlichkeit und auf der politischen Schaubühne sichtbar und schlagkräftig zu agieren. Es scheint jedoch, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen die Notwendigkeit der Kooperation, Vernetzung und vielleicht auch der Fusion der einzelnen Gesellschaften und Institutionen erkannt haben. Tatsächlich erhält man den Eindruck, dass sich in dieser Hinsicht etwas bewegt, wenn auch nur langsam. Die Vereinigung von DGG und GGW war ein erster Schritt. Die Annäherung von GV und DMG ein weiterer. Ich hoffe, dass sich dieser Trend demnächst fortsetzen wird, damit wir die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam bewältigen können.

Gernold Zulauf
(stellvertretender Vorsitzender)

 

 

 

Editorial 2/2010
GeoDarmstadt 2010 – Geowissenschaftliche Großveranstaltung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

In diesem Jahr haben sich die DGG und die Geologische Vereinigung wieder zu einer gemeinsamen Jahrestagung entschlossen. Sie wird ausgerichtet von unseren Kollegen aus Darmstadt und Frankfurt um Prof. Andreas Hoppe. An dieser Tagung beteiligen sich auch fast alle anderen deutschen geowissenschaftlichen Gesellschaften sowie einige Fachsektionen und Arbeitskreise der DGG,  die großen geowissenschaftlichen Institutionen wie BGR, GFZ oder LIAG. Wir hatten am Anfang über den Mut der Veranstalter gestaunt, die die Veranstaltung in eines der modernsten Veranstaltungszentren in den deutschen Universitätsstädten, das Darmstadium, holten. Dies war durchaus risikobehaftet, denn damit waren zur finanziellen Abdeckung Teilnehmerzahlen notwendig, die von den üblichen Jahrestagungen nur selten erreicht wurden. Die bisher vorliegenden Zahlen bestätigen aber, dass es den deutschen Geowissenschaften bei einem attraktiven Programm sehr wohl möglich ist, teilnehmerstarke Großveranstaltungen zu organisieren. 430 Vortrags- und 160 Posteranmeldungen zeigen die breite Akzeptanz der Tagung. Wir werden bis zu 8 Parallelsitzungen einplanen müssen, deren  Spektrum von der Stratigraphie, den Energie- und mineralischen Ressourcen über Biodiversität und Klima, Hydro- und Ingenieurgeologie bis hin zu den Georisiken zu reicht. Wir können also mit Recht sagen, dass wir in Darmstadt das Gesamtspektrum der grundlagenorientierten und angewandten deutschen geowissenschaftlichen Forschung geboten bekommen werden. Dazu werden Workshops und Fortbildungsveranstaltungen sowie Fachexkursionen im Rahmenprogramm geboten.

Wir brauchen solche Großveranstaltungen, denn die Geowissenschaften  sollten sich den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam stellen und nach außen ein Signal der Geschlossenheit geben. Dazu brauchen wir auch Ihre Unterstützung! Ich möchte Sie einladen, an diesem wichtigen Ereignis aktiv teilzunehmen, nutzen Sie die Möglichkeit die neuesten Forschungsergebnisse mitzudiskutieren, schauen Sie über den Tellerrand Ihrer Fachdisziplin und erleben Sie das weite Spektrum der Geowissenschaften. Darüber hinaus bietet eine breite Fachausstellung einen Überblick über die Geoindustrie und es wird viel Gelegenheit geben, neue Kontakte zu schließen und alte Bekanntschaften zu erneuern. Die GeoDarmstadt 2010 sollten Sie nicht versäumen.

Ihr
Stefan Wohnlich
Vorsitzender der DGG

 

Editorial 1/2010

ZDGG – German Journal of Geosciences

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor nunmehr 6 Jahren wurde von den beiden damaligen Vorsitzenden Friedrich Wellmer und Werner Stackebrandt die Vereinigung der Deutschen Geologischen Gesellschaft (DGG) und der Gesellschaft für Geowissenschaften (GGW) herbeigeführt. Dieser damals schon überfällige und letztlich konsequente Schritt hat zu einer Stärkung der wissenschaftlichen Gesellschaft geführt, die zu einer gestiegenen Wertschätzung unter unseren Mitglieder, aber auch bei den Nachbargesellschaften geführt hat. Dies lässt sich inzwischen auch in Zahlen ausdrücken, im vergangenen Jahr 2009 konnte die DGG deutlich mehr Beitritte als Abgänge registrieren. Mit den Neumitgliedern stieg zu Jahresende die Anzahl der Mitglieder auf 2800. Zusammen mit den Mitgliedern der Fachsektionen kommt unsere Gesellschaft nunmehr auf mehr als 5000 Aktive.

Zu den wesentlichen Errungenschaften der Vereinigung beider Gesellschaften zähle ich die im Layout, im Inhalt und in der Akzeptanz durch Leser und Autoren verbesserte Fachzeitschrift ZDGG. Durch die Aufnahme der ZDGG in den International Citation Index des ISI konnte die internationale Sichtbarkeit gestärkt werden. Wichtig ist, dass nunmehr für Wissenschaftler attraktiver ist, in der ZDGG zu veröffentlichen und wir einen ständigen Zustrom an qualitativ hochwertigen Beiträgen registrieren. Dies ist ein sich selbst tragender Kreislauf, denn durch höherwertige Beiträge steigt die Zahl der Zitate von in der Zeitschrift erschienen Artikeln und damit das Ansehen der ZDGG. Diesen Status erkaufen wir uns allerdings durch Zugeständnisse: es müssen langfristig ca. 50% der in der ZDGG erschienenen Artikel in englischer Sprache abgedruckt werden, deutsche Abbildungsunterschriften und Kurzfassungen werden durchgängig ins Englische übersetzt. Diese Entwicklung ist kaum aufzuhalten, denn Englisch ist mittlerweise zur universellen Wissenschaftssprache aufgestiegen, und vermehrt lehren, forschen und kommunizieren auch deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dieser Sprache. Somit ändert sich zwangsläufig das Profil der ZDGG hin zu einer Internationalisierung. Dennoch muss die Identität der ZDGG als deutsche geowissenschaftliche Fachzeitschrift erhalten bleiben. Sie bleibt eine Zeitschrift vor allem für die Mitglieder der DGG und wird weiterhin vorzugsweise die Beiträge aus dem Zentrum Europas zu den wichtigen Themen der Geowissenschaften aufnehmen. Um dies deutlich zu machen, wird ab dem Jahrgang 2010 in der rechten oberen Ecke des Titelblattes eine, unserem Anspruch gerecht werdende, freie englischsprachige Übersetzung des Zeitschriftentitels als „German Journal of Geosciences" abgedruckt. Diese Bezeichnung wird die Wahrnehmung unserer Zeitschrift im Ausland verbessern und somit eine weitere Verbreitung mit sich bringen. Wir gehen davon aus, dass eine höhere Auflage der Zeitschrift im Interesse aller DGG-Mitglieder ist.

Glück Auf!

Stefan Wohnlich

 

 

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Mitgliederversammlung

DGG-Mitgliederversammlung am 30. September 2009 in Dresden

 

 






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