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Arbeitskreis Regionale Geologie

 

Der Arbeitskreis „Regionale Geologie“ ist aus dem früheren Arbeitskreis „Mitteleuropäische Kristallinzone“ hervorgegangen. Dort hatte sich die Zusammenarbeit von Vertreter/inne/n unterschiedlicher Arbeitsrichtungen aus Behörden, Universitäten und Wirtschaftsunternehmen bei der Diskussion von komplexen Fragestellungen mit regionaler Tragweite als sehr anregend und fruchtbar erwiesen. Aus dieser Situation erwuchs die Idee, den Arbeitsbereich des AK auszuweiten.

AK Regionale Geologie

 

Wachsende Nachfrage und Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen, Anforderungen des Umweltschutzes sowie Baumaßnahmen in Folge der Energiewende in Deutschland führten nach dem weitgehenden Rückbau der geologischen Dienste wieder zu einer zunehmenden Zahl von „regional studies“ bei unterschiedlichen nationalen wie internationalen Trägern. Diese Projekte sind meist interdisziplinär ausgerichtet. Dementsprechend sollte eine zeitgemäße regionale Geologie möglichst viele Aspekte und Methoden integrieren, auf das Verständnis der gesamten geologischen Entwicklung eines Gebietes gerichtet sein, den Nutzen vorhandener geologischer Ressourcen für die Gesellschaft und die Bedeutung der Kenntnis geologischer Rahmenbedingungen für Planungen herausstellen. Dazu ist eine stärkere Verzahnung von geologischer Grundlagenforschung und Anforderungen aus der Praxis wichtig.

Mittelfristig sollen die interdisziplinäre Betrachtung von Ergebnissen mit regionaler Relevanz und der flächenhafte Einsatz moderner Untersuchungsmethoden stimuliert werden, um die Akzeptanz und Unterstützung geologischer Arbeit im öffentlichen und privatwirtschaftlichen Bereich zu steigern. Dazu wird eine Zusammenarbeit mit vorwiegend regional ausgerichteten Zusammenschlüssen von  Geowissenschaftler/inne/n, Ingenieuren, Geographen, GeoParks oder Tourismusorganisationen angestrebt. 

Die Mitglieder des AK setzen sich aktiv für die Vermittlung regionalgeologischer Kenntnisse ein. Durch preiswerte geländeorientierte Veranstaltungen sollen vor allem jungen Geowissenschaftler/innen die Möglichkeit erhalten, ihre regionalen Kenntnisse und Geländeerfahrungen zu erweitern.

Die letzten Veranstaltungen des AK waren eine Exkursion durch den südlichen Teil Belgiens im März 2012, der 4. Workshop Harzgeologie in Roßla im Oktober 2012 und eine Exkursion zu Block-in-Matrix-Gesteinen im Harz im Juni 2013. 

Über die nächsten Aktivitäten wird hier und unter „Veranstaltungen“ auf der Web-Seite der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften  informiert werden.

Wenn Sie an einer Mitarbeit oder laufenden Informationen interessiert sind, kontaktieren Sie bitte manfred.r.brix@rub.de.

 

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Exkursion Bayern – Böhmen 2015

Vom 12. - 16.10.2015 bietet der AK Regionale Geologie eine Exkursion durch das bayerisch-böhmische Grenzgebiet unter der Leitung von Herrn Dr. A. Peterek (Geopark Bayern-Böhmen/Univ. Bayreuth) unter Mitwirkung von Herrn Dr. J. Rohrmüller (Landesamt für Umwelt/Marktredwitz) an.

Mit seinem extrem vielseitigen Gesteins- und Strukturinventar bietet der Geopark Bayern-Böhmen hervorragende Möglichkeiten, regionale Geologie als eine unterschiedliche Disziplinen integrierende Betrachtungsweise zu demonstrieren. In diesem Sinne werden vor allem folgende Aspekte berücksichtigt werden:

·    Ablagerungsräume, polyphase Deformation, Metamorphose und Platznahme der variszischen Baueinheiten Nordost- und Ostbayerns
·    Genese und Platznahme der spätvariszischen Granitoide und Granite
·    Postvariszische Entwicklung (Tektonik, Vulkanismus, Abtragung; insbesondere Entwicklung der Fränkischen Linie) unter Einbeziehung des mesozoischen Deckgebirges im westlichen Vorland der Böhmischen Masse
·    Tertiärer Vulkanismus im südwestlichen Teil des Eger-Rift
·    Känozoische Reliefentwicklung, Neotektonik, aktuelle Seismizität und ihre Herkunft
·    Geologisch-hydrogeologische Hintergründe der westböhmischen Bäder
·    Das geowissenschaftliche Großprojekt der Kontinentalen Tiefbohrung der Bundesrepublik Deutschland (KTB) aus heutiger Sicht
·    Natursteinindustrie, Rohstoffe einst und heute
·    Rolle von Geoparks in der geowissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit.

Die Exkursion bewegt sich räumlich zwischen Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald sowie in Tschechien (bitte gültigen Personalausweis mitführen). Mehr...

Anmeldung bis 24.8.2015 und weitere Informationen: manfred.r.brix@rub.de. - siehe auch Externe Veranstalungen

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Treffen des AK Mitteleuropäische Kristallinzone

Das letzte Treffen des AK Mitteleuropäische Kristallinzone fand vom 16. bis 21.04.2010 in Annweiler in der Pfalz statt.
Es führte unter Leitung von Jürgen Kopp in den Randbereich des Oberrheintalgrabens, der hier durch den Pfälzer Wald eingenommen wird, und in die französischen Nordvogesen des Elsaß.
-> Bericht (PDF)

 

Kurzvorstellung des Arbeitskreises

Viele Gesteine Europas sind nicht an Ort und Stelle entstanden. Sie stammen aus anderen Teilen der Erde und wurden als Mikrokontinente erst nach einer langen, Millionen Jahre andauernden Wanderung sowie durch magmatische Prozesse im Verlauf von Kontinent-Kontinent Kollisionen zu Europa verschweißt.

Generell bilden sich bei der Kollision von Kontinenten Faltengebirge (Orogene), die aus zusammen geschobenen Gesteinsanteilen der beteiligten Kontinente und aus neu gebildeter juveniler Kruste bestehen. Mit jeder Kollision vergrößerte sich der Kontinent Europa ein Stück weiter, wobei neue Teile im Süden anwuchsen.

Paläomagnetische Messungen und paläogeographische Rekonstruktionen weisen darauf hin, dass die das heutige Mitteleuropa bildenden Mikrokontinente noch vor etwa 570 Ma ein Bestandteil des damals im Südpolbereich gelegenen Superkontinets Gondwana waren. Vom N-Rand Gondwanas, dem so genannten "Perigondwana" löste sich vor etwa 480 Ma (Wende Kambrium-Ordovizium) der Mikrokontinent Avalonia. An seiner Front bildete sich im Verlauf der nordwärts gerichteten Drift ein aktiver Kontinentalrand. Dadurch öffnete sich der Rheische-Ozean, der sich zum bedeutendsten Ozean des Paläozoikums entwickelte. Seine Lebensdauer umfasste die Zeitspanne von etwa 500 bis 330 Millionen Jahren vor heute, also etwa 230 Millionen Jahre.

Im Verlaufe der nordwärts gerichteten Drift Avalonias kam es nacheinander zu Kollisionen mit den Großkontinenten Baltica und Laurentia, die in der Kaledonischen Orogenese gipfelten und die zur Bildung Paläoeuropas und des Großkontinents Laurussia (Old-Red-Kontinent) führte.
Im Grenzbereich Devon/Karbon kollidierte der Gondwana-Kontinent (heute Süd-Amerika und Afrika) mit Laurussia und verursachte dabei die Bildung des variszischen Faltengebirges, das heute bedeutende Teile des Grundgebirges West- und Mitteleuropas, sowie große Teile der Appalachen Nordamerikas bildet. Die Kollision führte schließlich zur Bildung des Superkontinents Pangäa. Die ozeanische Kruste wurde dabei in die Tiefe verschluckt und der Rheische Ozean beendete seine Existenz.

Die Narbenzone, die bei der Schießung des Rheischen Ozeans entstand, verläuft quer durch Deutschland und setzt sich als "Mitteleuropäische Kristallinzone" weit nach Westen und Osten hin fort. Sie ist über den gesamten Bereich ihrer streichenden Erstreckung von Nordfrankreich über Deutschland, Polen und Tschechien mehr als 1000 km geologisch nachgewiesen worden. Allerdings sind Oberflächenaufschlüsse der perlschnurartig aneinander gereihten Plutonit- und Gneiskörper nicht durchgängig vorhanden. In weiten Bereichen wird die Mitteleuropäische Kristallinzone durch känozoische, mesozoische und jungpaläozoische Sedimentserien verdeckt. Infolge einer teilweise extensiven Bohrtätigkeit in Verbindung mit geophysikalischen Messungen konnten trotzdem viele Bereiche des verdeckten Kristallins aufgeschlossen und rekonstruiert werden.

Legt man die Kossmat`sche Gliederung des europäischen Variszikums zu Grunde, so bildet die Mitteleuropäische Kristallinzone den Grenzbereich des Saxothuringikums zum Rhenoherzynikum. Sie repräsentiert damit die wohl bedeutendste Sutur des europäischen Variszikums und zeichnet markant den Nordrand dieses Kollisionsorogens nach.

Weiterhin fungierte sie als paläogeographisches Trennelement, indem sie die geringer metamorphen, gefalteten Serien des Rhenoherzynikums von den gefalteten anchimetamorph bis grünschieferfaziell beanspruchten Einheiten des Saxothuringikums mit gegensätzlicher Vergenz trennt. Dieser Vergenzwechsel zwischen Rhenoherzynikum und Saxothuringikum bedingt ihre zentrale Scheitelfunktion innerhalb des europäischen Variszikums.

Anliegen des Arbeitskreises :
Ausgehend von den an der Tagesoberfläche anstehenden und den erbohrten Bereiche sollen die Teile der Mittel-europäischen Kristallinzone in Deutschland, Frankreich, Polen und Tschechien korreliert werden. Das ist insbe-sondere wegen des uneinheitlichen Bearbeitungsstandes dringend notwendig. Die Gründung des (vorerst) deutsch-polnischen Arbeitskreises erfolgte im Jahr 2000 im Rahmen der damaligen GGW. Der Arbeitskreis will interdisziplinär und international arbeiten. Er steht allen konkret am Problem arbeiten-den Fachkollegen zur Mitwirkung offen.

Kontakt:

Dr. Jürgen Kopp
juergen.kopp@gmx.de




Unter der permotriassischen Bedeckung der Südpfalz und des Nordelsaß tritt das Grundgebirge nur in wenigen fensterartigen Aufschlüssen, wie hier im Steinbruch Waldhambach, in der westlichen Rheingrabenrandschulter zu Tage. Sämtliche Vorkommen liegen in der saxothuringischen Zone und repräsentieren die westlichsten an der Oberfläche zugänglichen Aufschlüsse der Mitteldeutschen bzw. Mitteleuropäischen Kristallinzone.

 

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